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Von Analphabeten – Game Literacy als Konzept

Game Literarcy – Die Fähigkeit, basierend auf Erfahrung, Systeme und Mechaniken in Spielen wahrzunehmen und zu erkennen.

 

“Hardcore vs. Casual.” – Ja, es ist ein Fluch.

Ständig wird danach gefragt - und fast genauso oft wird man keine richtige Antwort kriegen. André Beccu, Lead Designer bei Spellbound, hat sich auf der letzten Quo Vadis dieser leidlichen Frage angenommen und ist zu – zumindest für mich - verwunderlichen Ergebnissen gekommen. André geht davon aus, dass Spieler, die viel von (mindestens) einer Ressource in ein Spiel investieren “hardcore” sind. 6 Ressourcen wurden vorgestellt.

  1. Motorische Fähigkeiten
  2. Kognitive Fähigkeiten
  3. Wissen
  4. Soziale Kompetenz
  5. Geld
  6. Zeit

Interessant an dieser Theorie, ist die Implikation, dass Spieler, die sich sehr viele Songs für z.B. Guitar Hero kaufen, “hardcore” sind. Schliesslich investieren sie viel von einer Ressource – Geld.

Angetan war ich sehr, von dieser neuen Einsicht. Denn endlich hat mir mal jemand eine Antwort darauf gegeben, wer denn diese komischen “Hardcore” Typen eigentlich sind. Doch irgendwo war mir klar, dass diese Antwort mir nicht richtig schmeckt.

Das Problem, welches ich sehe, ist die Vermischung, die hier stattfindet. Leute, die – um beim Beispiel zu bleiben - sich Unmengen an Songs für Guitar Hero kaufen, sonst aber nichts anderes spielen, können nicht genauso “hardcore” sein, wie die Leute, die seit 20 Jahren spielen und jedes wichtigere Videospiel zumindest mal gesehen haben. Warum?

Nun, hier greift das Konzept der Game Literacy. ”Hardcore” Gamer haben viel gespielt und viel gesehen. Für sie ist es meist kein Problem, neue Spiele und Konzepte zu verstehen. Durch die Erfahrung, die sie über die Jahre gesammelt haben, sind ihnen die meisten Mechaniken und Systeme bekannt. Was bedeutet, dass sie  auf einer anderen Ebene spielen können, als Leute mit wenig Erfahrung. 

Eines der wohl einfachsten Beispiele ist die Bewegung durch den 3D Raum in aktuellen Spielen. Spieler, die schon seit Jahren spielen, haben kein Problem damit, sich zu orientieren, geschweige denn, sich in dem Raum zu bewegen. Neue Spieler hingegen scheitern meistens schon an der Steuerung.  

Spieler mit hoher Erfahrung (sprich: Game Literacy) können den Prozess des Steuerns komplett unterbewusst ablaufen lassen und sich somit sofort mit den Systemen im Spiel auseinandersetzen - während die anderen eventuell den Controller schon in die Ecke gefeuert haben.

[Interessant hier ist auch das Prinzip von Twitch Gameplay, welches nur dann funktioniert, wenn der Spieler nicht bewusst über seine Handlungen nachdenkt.]

Natürlich müssen viele Ressourcen geflossen sein, um eine hohe Game Literacy (wahrscheinlich Zeit und Geld), zu erreichen – doch sind diese verflossenen Ressourcen selbst noch kein Garant dafür, dass jemand tatsächlich “hardcore” ist.

 

Addendum

Der gute André hat sich diesen Artikel angeschaut und antwortete mir, dass “Game Literacy” in seinem Modell unter der Ressource “Wissen” schon abgebildet sei. Leider geht das am Kern meiner Aussage vorbei. Was ich sage ist: Hardcore ist nicht jemand, der viel Ressourcen investiert. Hardcore ist jemand, der eine hohe Game Literacy besitzt.


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